Sedus swing up

Drehstuhl mit neuem kinematischen Sitzkonzept Similar-Swing

Das Konzept

Der neue Bürodrehstuhl swing up steht in direkter Erbfolge des historischen „Federdreh“ aus den 1920er Jahren. Erkenntnisse aus der Forschung in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Ergonomie der Technischen Universität München, in der optimale neue Sitzbedingungen ausgelotet wurden, flossen bestimmend in die Neuentwicklung ein. Sedus als Drehstuhl-Pionier gelingt es mit swing up, bis dato ungenutzte Bewegungsoptionen anzubieten, mehr intuitive Bewegung zu ermöglichen und somit für gesünderes Arbeiten zu sorgen.

Sitzen ist für den Menschen – entwicklungsgeschichtlich betrachtet – eine unnatürliche Haltung. Der Mensch, dessen letzte wesentliche genetische Veränderung im Körperbau sich in der Steinzeit vollzog, war immer in Bewegung und ist ein „Bewegungstier“. Dies ist eine unumstößliche Tatsache und gerade deshalb besteht eine enge Verflechtung zwischen körperlicher und geistiger Aktivität. Blutfluss und hormonelle Steuerung korrelieren mit Bewegung und erst durch sie können die grauen Zellen im Gehirn optimal mit Nährstoffen versorgt werden. So entstehen geistige Entwicklung und geistiges Wirken. Diese Erkenntnis führt immer wieder zu großen Herausforderungen für die Welt der Büroarbeit mit ihren Tätigkeiten, die insbesondere durch Bildschirmarbeit unvermeidlich an die sitzende Haltung gekoppelt sind.

Kooperation mit der TU München
Auf dem Weg zur Entwicklung des vollständig neuen Sitzkonzeptes Similar-Swing ging Sedus eine Forschungskooperation mit dem Lehrstuhl für Ergonomie der Technischen Universität München (TUM) unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Bengler ein. In umfassenden Studien wurde in der Analysephase untersucht, welche Bewegungsmöglichkeiten im Sitzkontext zu fördern sind. Im zweiten Schritt wurde definiert, welche Zusatzfunktionen das Sitzen auf einem Drehstuhl komfortabler und zugleich dynamischer machen, um dadurch Schäden durch die statische Sitzhaltung vorzubeugen und gleichzeitig die Arbeitsleistung zu steigern.
Gerade die Gelenke und Muskeln des (Geh- und) Sitzapparates sollten zur Unterstützung der Hirntätigkeit aktiviert werden. Insbesondere die Freistellung und Bewegung des Beckens ermöglicht jene Flexibilität, die den Bedürfnissen unseres seit Urzeiten kaum veränderten und fürs Gehen optimierten Körperbaus am nächsten kommt.

Die Key-Visuals ergeben sich aus der Grundstruktur: Um zum Beispiel den direkten Weg von Mechanik zur Dorsokinetik (1) zu überbrücken und eine Höhenverstellung (2) zu integrieren, ist die logische gestalterische Ausformung des Rückenlehnenträgers die mittige Anbindung. Die neue Sitzkinematik (3) erlaubt ein seitliches Kippen des Stuhles. Dank der Similar-Plus-Mechanik (4) ist ein synchroner Bewegungsablauf von Sitz und Rückenlehne in jeder Körperhaltung möglich.

Das konzeptionelle Ergebnis
Das neue kinematische Sitzkonzept Similar-Swing integriert über die Bewegungsoptionen eines guten Synchron-Drehstuhles hinausgehende Freiheitsgrade. Besonders wesentlich und richtungweisend ist eine leichte seitliche Beckenkippung der Sitzfläche um maximal acht Grad.
Die neue Sitzkinematik räumt alle Freiräume ein, die es dem Körper ermöglichen, seine Bewegung nach Bedarf selbst zu organisieren. Denn, wenn der Körper spürt, dass Bewegung in der Sitzhaltung möglich ist, nimmt er sie durch die Körperintelligenz wahr. Dies geschieht aber meist unbewusst und daher dürfen die intuitiv ausgeführten Bewegungen nicht zu Verunsicherung führen. Die Sitzfläche sollte also eine dosierte Nachgiebigkeit aufweisen und bei Neigung des Oberkörpers eine leichte seitliche Verkippung der Sitzfläche zulassen. Gleichzeitig tritt die Dorsokinetik der Rückenlehne in Kraft, wodurch die Sitzbewegung eine Parallele in der Rückenlehne erfährt.
Wie wird aber dieser Effekt durch die Konstruktion und den Sitzaufbau ermöglicht? Die Sitzschale ist um die Längsachse schwenkbar gelagert und seitlich gegen Federelemente abgestützt. Stets ist genügend Rückstellkraft vorhanden, um den Oberkörper wieder aufzurichten. Die Armlehnen nehmen aber an dieser Bewegung nicht teil und so verliert der Nutzer auch bei kräftigen Bewegungen nie das Gefühl der Zuverlässigkeit. Er fühlt sich stets in seinem Drehstuhl geborgen.
Durch den neuen Bürodrehstuhl swing up, der nach dem Prinzip des Inside-Out-Designs quasi als „Bewegungsverführung“ konzipiert wurde, wird körperliche wie geistige Frische gefördert. Weltpremiere war anlässlich der Orgatec 2012 in Köln.

Designer Statement

Rüdiger Schaack (Sedus Design Team) über die Herausforderungen, denen er sich bei der Gestaltung von swing up stellte.
Das Schöne und Herausfordernde an diesem Projekt war, dass alle Beteiligten aus Forschung und Design bis hin zur Konstruktion Hand in Hand arbeiteten. Eine Vielzahl von Ideen und Ansätzen wurde mittels benutzbarer Funktionsmodelle überprüft, verworfen und optimiert, bis letztendlich das finale Funktionsmuster mit den idealen ergonomischen Features geboren war.
• Die Dorsokinetik, das bewährte Alleinstellungsmerkmal, wird jetzt durch eine Höhenverstellung der Rückenlehne erweitert und damit immer in der für den Benutzer optimalen Position fixiert.
• Der Sitz ist auf einer Kreisbahn gelagert und bietet gerichtete, steuerbare und unterstützende Flexibilität. Somit kommt Bewegung in die Hüfte – zusätzlich zu den dorso-ventralen (nach vorne und hinten geneigten) Bewegungen dank der bewährten Similar-Plus-Mechanik.

Als „Bewegungsverführung“ ist er konzipiert, der Stuhl, der das intuitive und natürliche Bewegungsverhalten seines Nutzers fördert und bisher ungekannte Bewegungsoptionen bietet. Dank der Similar-Swing-Mechanik erlangt die Sitzschale eine seitliche Flexibilität, so dass sich das Becken auch zur Seite neigen kann. Dadurch entstehen über die Bewegungsoptionen eines guten Synchron-Drehstuhls hinausgehende Freiheitsgrade und der (R)Evolution des Sitzens sind keine Schranken gesetzt.

Dynamisches Sitzen ist gesund
Schäden durch eine sonst statische Sitzhaltung wird vorgebeugt und die Arbeitsleistung gesteigert, da Gelenke und Muskeln im Hüftbereich und in der Rückenpartie zur Unterstützung der Hirntätigkeit aktiviert werden. Die regelmäßige Zirkulation des Blutkreislaufes und die Versorgung mit Nährstoffen und Hormonen sind auch für die geistige Leistungsfähigkeit und das emotionale Wohlbefinden von großer Bedeutung. Die neue Sitzkinematik räumt dem Körper alle Bewegungsfreiräume ein und nutzt zugleich das natürliche Körpergefühl, sich selbst zu stabilisieren. Der Bewegungsablauf ist harmonisch und fließend, der Körper erkennt die Bewegungsanreize und nimmt sie wie selbstverständlich auf. Da sich die Armlehnen nicht mitbewegen, behält der Nutzer sein Sicherheitsgefühl bei einem hohen Zugewinn an Komfort und Geborgenheit.

Ausgewogen gestalten
Wesentliches gestalterisches Merkmal der von Designer Rüdiger Schaack geschaffenen Stuhlfamilie sind das senkrecht stehende Rückenlehnen-Rahmenprofil und die, durch spannungsvolle Flächenverläufe aufgewertete, horizontale Spange. Hinzu kommt eine ergonomisch ausgeformte Sitzsilhouette. Eine geschwungene Linienführung des Armlehnenträgers spiegelt die Beweglichkeit des Sitzes wider, während der Rückenlehnenträger formschlüssig die höhenverstellbare Dorsokinetik (Rücken- und Tiefenverstellung) integriert.
Allein der Mensch als Nutzer war der Ausgangspunkt dieser Produktentwicklung und der Stuhl swing up stellt sich ganz in den Dienst seines Besitzers. Er ist ein sehr körpernaher und unmittelbarer Beitrag, durch eine komfortable und angenehme Arbeitsumgebung das Wohlbefinden zu erhöhen, die Gesundheit am Arbeitsplatz langfristig zu erhalten.

Video: Sedus swing up