Sedus baut in Dogern sein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum

Mit einem symbolischen Spatenstich wurden heute offiziell die Baumaßnahmen zum neuen Sedus Forschungs- und Entwicklungszentrum eingeleitet.

Auf einer Grundfläche von rund 1000 qm entstehen auf drei Etagen insgesamt brutto 3000 qm neue Büro-, Werkstatt- und Laborflächen, in denen die Sedus Entwickler (Designer, Konstrukteure, Musterbauer, Laboranten) und die strategischen Einkäufer ein modernes und inspirierendes Umfeld vorfinden werden.

Der vom Architekten Jens Ludloff (Ludloff + Ludloff Architekten, Berlin) entworfene Neubau soll im Mai 2009 bezugsfertig sein und für 30 Arbeitsplätze Raum bieten. Die Gesamtkosten des Projektes werden mit ca. 7 Mio. Euro angesetzt.

Erläuterungsbericht der Architekten ludloff + ludloff

vorab
Der Neubau des Entwicklungs- und Innovationszentrums soll der Forschung und Entwicklung neuer Produkte der Sedus Stoll AG ein inspirierendes Umfeld bieten. Hier werden Ideen geboren, Produkte entstehen von der ersten Skizze bis zur Herstellung von Prototypen, zur optimalen Nutzung von Synergieeffekten arbeiten Designer, Entwickler und Einkäufer unter einem Dach.

städtebau
Das Entwicklungs- und Innovationszentrum bildet im Maßstab und durch die Ausbildung seines Volumens ein Bindeglied zwischen der Wohnsiedlung am westlichen Ortsrand von Dogern und dem Firmengelände der Sedus Stoll AG.
Das Gebäude nimmt die Dachform des Sattels der angrenzenden Wohnbebauung auf, die Spannrichtung des Firstes über die Grundrissdiagonale generiert eine geneigte Traufkante, dieser gelingt es zwischen den unterschiedlichen Gebäudehöhen der unmittelbar angrenzenden zweigeschossigen Wohnbebauung und dem über 30 Meter hohen Hochregallager, zu vermitteln. Durch die leichte Drehung im Grundriss und der sichtbaren, geneigten Dachfläche, wird das Gebäude als Volumen erlebbar. Dies unterstützt die typologische Zugehörigkeit zu den ebenfalls als Einheit von Dach und Wand erlebbaren Wohngebäuden, und bildet einen bewussten Kontrast zu dem als "Fassadenarchitektur" erscheinenden Hochregallager.
Der Neubau selbst schafft einen städtebaulich "weichen" Übergang, der üblicherweise vorhandene Gegensatz von Gewerbe und Wohnen wird durch den Bau des Innovations- und Entwicklungszentrum zu einem spannungsreichen Ensemble gleichrangiger Solitäre.
Die durch die Fassadengestaltung als "verhüllt" erlebte, und gleichwohl augenscheinlich "einfache" skulpturale Form des Entwicklungszentrums, setzt ein reales Raumerlebnis bewusst in den Kontext der bildhaften Erscheinung des Hochregallagers.

nutzung
Das Entwicklungs- und Innovationszentrum gliedert sich in drei Geschosse, im Untergeschoss sind Lager, Technik und Sanitärräume untergebracht, das Erdgeschoss ist den Werkstätten, dem Maschinenraum und einem Pausenraum mit Terrasse vorbehalten.
Das 1. Obergeschoss wird als großzügige Halle mit 1000qm Grundfläche und einer Raumhöhe von bis zu 7,5 Metern erlebt. Die Hauptnutzungen des eingestellten "Kerns" sind Ausstellungsflächen und Besprechungsräume.
Das Zentrum des Kerns bildet der Projektraum für Ausstellungen, die Belichtung erfolgt über ein großzügiges Seitenoberlicht, durch das der Raum eine museale Ausstrahlung erhält.
Ein kleiner Teil des Dachraums, gewissermaßen die erweiterte Einbringöffnung des Oberlichts für den Projektraum, kann über eine Spindeltreppe erschlossen werden, dieses "Turmzimmer ohne Turm", ist als temporärer Rückzugsort allein den Designern und Entwicklern vorbehalten.

erscheinungsbild / fassade
Die Fassaden erhalten umlaufend eine textile Verkleidung aus stehenden, trapezförmigen Formaten. Im Fensterbereich ist die textile Verkleidung als bewegliches Sonnenschutzrollo ausgebildet, die Behänge der Rollos entsprechen denen der übrigen textilen Verkleidungen, sodass bei geschlossenem Sonnenschutz der Eindruck eines vollständig textil "verpackten" Volumens entsteht. Durch die Überlagerungen der transparenten Fassadenbekleidungselemente entstehen, je nach Blickwinkel und Helligkeit, unterschiedliche Transparenzen, die dem Gebäude eine beinahe immaterielle Leichtigkeit verleihen werden.

räumliche erschließung
Eine Wiese umgibt das Gebäude. Ein Weg aus faustgroßen Rheinkieselsteinen leitet den Besucher in das Foyer aus gestocktem Sichtbeton. Eine gebogene Wand und eine angewendelte Treppe führen weiter auf das Plateau des 1. Obergeschosses, eine große Halle mit eingestelltem "Kern".
Das umlaufende Fensterband reicht bis zum Boden, der Südschwarzwald und das Rheintal werden erlebter Teil des Innenraumes. Die Wandflächen des Kerns gliedern sich in bespannte Felder aus Stoff, der Eindruck übergroßer, diffus leuchtender "Kissen", entsteht.
Das im First gefaltete Dach reicht als geknickte Wandfläche bis zum umlaufenden Fensterband herab. Die in Blau- und Grautönen gestaltete Untersicht scheint auf den schlanken Fensterprofilen des Fensterbandes zu schweben. Der Eindruck eines künstlichen Himmels entsteht.

konstruktion
Das Unter- und Erdgeschoss werden in Massivbauweise, Stahlbeton und Mauerwerk, ausgeführt. Der hallenartige Bau des 1.Obergeschosses ist als hochgedämmte, leichte Holzkonstruktion auf den Massivbau aufgesetzt.

haustechnik / ökologie
Bei der Planung des Entwicklungs- und Innovationszentrums setzen wir besondere Ansprüche an ökologische Verträglichkeit um. Alle verwendeten Produkte sind auf ihre Nachhaltigkeit, in den Punkten Energie- und Schadstoffbilanz, von der Erzeugung, über den Einbau bis zur Wiederverwertbarkeit geprüft und abgewogen.
Um das Gebäude energetisch zu optimieren, wird auf die Dichtigkeit der Gebäudehülle besonderer Wert gelegt.
Die in Teilbereichen eingesetzten Heiz- und Kühldecken werden durch Brunnenwasser gespeist, nach der energetischen Nutzung wird das Wasser für die Spülung der Toilettenanlagen genutzt. Entstehende Maschinenabwärme der Hydropulsanlage kommt mittels Wärmerückgewinnung dem Brauchwasser, oder nach Bedarf dem Vorlauf der Heizversorgung zu Gute. Alle künstlichen Lichtquellen werden mit energetisch optimierten Komponenten ausgeführt und sind an eine tageslichtabhängige Steuerung angeschlossen. Das anfallende Regenwasser der Dachflächen versickert über eine Mulde auf dem Grundstück.

aussenanlagen
Zur Unterstützung der einfachen skulpturalen Kubatur des Entwicklungs- und Innovationszentrums ist die Außenraumgestaltung auf ein Minimum reduziert. Das textile Gebäude wird über eine schmale Bodenfuge von der umlaufenden Wiese abgesetzt. Der Weg von den Fahrflächen zum Eingang wird durch eine Reihung einfacher großformatiger gewaschener Betonsteinplatten mit Grasfuge hergestellt. An den Pausenraum schließt sich eine Holzterrasse an.

termine
Der Spatenstich findet am 23 April 2008 statt, die Fertigstellung ist für den Mai 2009, die Eröffnung im Juni 2009 geplant.

kosten und flächen
Das Entwicklungs- und Innovationszentrum erhält eine Bruttogeschossflächen von ca. 3.000qm, die angesetzten Baukosten belaufen sich auf 4,7 Millionen €.

Jens Ludloff
Berlin, April 2008