Hybrid Hospitality: Was Büros von Hotels und Third Places lernen können

Hybrid Hospitality: Was Büros von Hotels und Third Places lernen können

Während viele Hotels heute multifunktionale Räume, Restaurants, Konferenzflächen oder Bars anbieten und sich damit als Hybridkonzepte verstehen, geht Hybrid Hospitality deutlich weiter. Es geht nicht nur um Nutzungsmischungen, sondern um ein tiefes Verständnis menschlicher Bedürfnisse: Zugehörigkeit, Begegnung, Komfort und Sinnstiftung. Ein Ort, der Hybrid Hospitality lebt, bietet ein ganzheitliches Erlebnis – unabhängig davon, ob jemand einen Tag, eine Woche oder einen Monat bleibt.

Für Unternehmen und Gestalter moderner Bürowelten stellt sich daher die Frage: Was können Büros von diesen Hospitality-Vorbildern lernen? Die Antwort findet sich in zwei eindrucksvollen Beispielen, die jeweils auf ihre Weise zeigen, wie Räume Gemeinschaft formen und produktives Arbeiten stärken können.

1. The Social Hub: Ein zweites Zuhause für Studierende, Digitalnomaden, Unternehmer und Nachbarn

Was einst als Idee für ein besseres Studentenhotel begann, hat sich zu einem europäischen Erfolgsmodell und Sinnbild von Hybrid Hospitality entwickelt: The Social Hub (TSH). Die Vision von Gründer Charlie MacGregor war es, jungen Menschen einen Ort zu geben, an dem sie sich wohlfühlen, wachsen und ihre Zukunft gestalten können. Doch mit den Jahren wurde aus dem Studentenhotel ein lebendiger, inklusiver Hybridraum, in dem sich unterschiedlichste Lebenswelten überschneiden.

Ein Hub für Gemeinschaft und Begegnung

TSH vereint unter einem Dach:

  • Hotelzimmer für Kurzreisende
  • Coliving für Langzeitgäste
  • Coworking für Start-ups, Digitalnomaden & Kreative
  • Community Spaces für Workshops, Sport, Kultur & Kulinarik

Das Ergebnis: ein Schmelztiegel aus Studierenden, Einheimischen, Unternehmern, Reisenden und Kreativen, der echte, alltägliche Begegnungen ermöglicht. Diese „Complete Connected Community“ entsteht nicht zufällig – sie ist bewusst gestaltet. Die Räume fördern Austausch, Offenheit und das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.

Coworking als Motor für Innovation

Die wachsende digitale Wirtschaft hat gezeigt: Menschen profitieren enorm von der physischen Nähe zu anderen innovativen Köpfen. TSH hat dies erkannt und professionelle Coworking-Bereiche geschaffen, die je nach Tagesform Fokus oder Kollaboration ermöglichen – ein Prinzip, das auch in modernen Bürowelten essenziell ist.

Soziale Verantwortung als Teil der Marke

Mit der 2024 gegründeten TSH Talent Foundation setzt das Unternehmen ein Zeichen: 1 % des Jahresumsatzes fließt in Stipendienprogramme für unterrepräsentierte Studierende. Ein Ansatz, der zeigt, wie Hybrid Hospitality nicht nur Räume gestaltet, sondern gesellschaftliche Wirkung entfalten kann.

Offen für die Stadt: Räume, die verbinden

TSH geht auch über seine eigenen Gebäude hinaus: In Italien wurden 2025 zwei große öffentliche Parks eröffnet – echte urbane Oasen, die Nachbarschaften aktiv miteinbeziehen. Die Botschaft: Gastfreundschaft bedeutet, Gemeinschaft zu stärken – im Gebäude und weit darüber hinaus.

2. Townplace West Kowloon: Die Bleisure-Revolution in Hongkong

Das Townplace West Kowloon zeigt eine ganz andere, maximal futuristische Facette von Hybrid Hospitality. Als neues Aparthotel im angesagten West Kowloon verbindet es Serviced Living mit einem flexiblen Lifestyle-Angebot für junge Professionals, Digitalnomaden und Langzeitgäste.

Arbeiten, Leben und Freizeit als fließende Erfahrung

Auf rund 34.750 m² treffen aufeinander:

  • voll ausgestattete Coworking Spaces
  • Community Terrassen & Social Areas
  • Sport- & Wellnessflächen
  • Eventräume, Küchenzonen & Outdoor-Bereiche
  • smarte Wohnstudios bis hin zu 3-Zimmer-Apartments

Besonders faszinierend ist die architektonische Offenheit: Sichtachsen verbinden Fitnessstudio, Pool, Coworking und Terrassen – ein räumlicher Ausdruck des Grundgedankens, Menschen über Tätigkeiten hinweg zu verknüpfen.

Ein Gebäude als Community-Building Tool

Durch die Aufteilung in unterschiedliche Atmosphären – Grünzone, Industrial Loft, Gaming Area – entstehen Räume für konzentriertes Arbeiten, lebhafte Treffen oder entspanntes Miteinander. Die Flavour Lounge mit Gemeinschaftsküchen, Hotpot-Stations und Workshop-Bereichen ist das Herzstück: Ein Ort, der Gastfreundschaft als soziale, nicht als konsumorientierte Handlung versteht.

Technologie als Komfortfaktor

Mit dem smarten „SmarTone Total Solutions“-System wird der gesamte Aufenthalt intuitiv und nahtlos gesteuert – ein Aspekt, der zeigt, wie wichtig nutzerfreundliche Technologie in produktiven Arbeitsumgebungen geworden ist.

Hybrid Hospitality als Vorbild für moderne Büros

Was können Unternehmen und Büroplanende nun aus diesen Beispielen lernen?

1. Räume müssen Zugehörigkeit stiften

Büros werden zu Orten, die man bewusst aufsucht – nicht nur wegen der Arbeit. Gemeinschaftsbereiche, Loungezonen, Work Cafés oder offene Treffpunkte übernehmen die Rolle sozialer Anker.

2. Fokus und Begegnung müssen gleichermaßen möglich sein

Wie in Hotels oder Hybrid-Hubs braucht es heute:

  • ruhige Rückzugsorte
  • flexible, akustisch stabile Fokuszonen
  • lebendige Begegnungsflächen

Nur die Mischung schafft eine Arbeitsumgebung, in der Menschen ihr Potenzial entfalten können.

3. Hospitality bedeutet: Komfort, Atmosphäre, Wohlbefinden

Im Gegensatz zur klassischen Bürogestaltung rückt Hybrid Hospitality emotionale Faktoren in den Fokus:

  • Licht, Farben und Materialien
  • komfortable Möbel
  • intuitive Wegeführung
  • multisensorische Erlebnisse

Ein Büro, das sich gut anfühlt, wird auch gut genutzt.

4. Gemeinschaft wird gestaltet – nicht dem Zufall überlassen

Wie TSH zeigt, stärken Community Kitchen, Events, offene Räume und kulturelle Angebote das Miteinander. Für Unternehmen heißt das: Kultur braucht Raum, buchstäblich und im übertragenen Sinn.

5. Flexibilität ist kein Trend, sondern Standard

Ob Kurzbesuch, Projektphase oder Team-Quarterly – Räume müssen mitwachsen. Modulare Möbel und zonierte Flächen sind essenziell.

Fazit: Das Büro der Zukunft denkt wie ein Hotel – und wie ein Zuhause

Hybrid Hospitality zeigt, wie Räume zu Katalysatoren für Begegnung, Verbindung und Produktivität werden können. Büros, die heute erfolgreich sind, bieten mehr als Arbeitsplätze – sie bieten Erlebnisse, Atmosphäre und echte Gemeinschaft.

The Social Hub und Townplace West Kowloon beweisen: Wenn Architektur, Design und Haltung zusammenwirken, entsteht ein Umfeld, in dem Menschen nicht einfach arbeiten, sondern aufblühen. Und genau das ist die Chance für moderne Workplaces: zu Orten zu werden, an denen man nicht nur arbeitet, sondern sein möchte.

Mehr zum Thema im Sedus LOOKBOOK N° 03

In der neuesten Ausgabe des Sedus LOOKBOOK widmen wir dem Thema „Hybrid Hospitality“ ein eigenes Kapitel. Hier können Sie sich die ganze Ausgabe des Magazins kostenlos per E-Mail bestellen.

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