Das Potenzial von Hybrid Hospitality – Ein Interview mit MAWD | March and White Design

Das Potenzial von Hybrid Hospitality – Ein Interview mit MAWD | March and White Design

Ein international renommiertes Interior-Designstudio, das bereits zahlreiche Projekte mit Schwerpunkt auf Hybrid Hospitality umgesetzt hat, ist MAWD | March and White Design. Das 2010 von Elliot March und James White gegründete, preisgekrönte Innenarchitekturbüro steht an der Schnittstelle von Luxus, Innovation und unvergleichlichen Designerlebnissen. In unserem Interview sprachen wir mit Elliot und James über die neuen Anforderungen an Hybrid Hospitality und deren Umsetzung in Interior-Designprojekten.

Die Pandemie hat Remote-Arbeit zur Norm statt zur Ausnahme gemacht. Neben dem Büro und dem Homeoffice sind „Dritte Orte“ in den Fokus gerückt. Wie seht ihr diese Entwicklung?

Elliot und James: Wir halten Dritte Orte für unglaublich wichtig, um unsere eigenen Erwartungen und Erfahrungen in Bezug auf die Arbeit zu prägen. Als Gründer eines globalen Designunternehmens sind wir oft international unterwegs und arbeiten von Hotels, Flughäfen und Members Clubs aus. Viele der Annehmlichkeiten und Funktionen von Dritten Orten beeinflussen mittlerweile traditionelle Arbeitsräume und haben unsere Erwartungen an die Form und Funktion von Büros verändert. Daher versuchen traditionelle Büroräume nun, die Flexibilität, den Charme, die Gemütlichkeit und die Annehmlichkeiten von Hotellobbys und privaten Members Clubs nachzuahmen. Sowohl weltweit führende Unternehmen als auch Boutique-Büros wandeln sich gemeinsam, um mit den neuen Standards Schritt zu halten und oft sogar neue zu setzen, wenn es darum geht, wie die Bürogestaltung ihre eigenen Unternehmensmarken und -werte widerspiegelt.

Neben Work Cafés, Coworking Spaces und Bibliotheken spielt auch die Hotelbranche eine immer wichtigere Rolle. Hybride Unterkünfte werden zum Markenzeichen neuer Hotelkonzepte. Wie beobachtet ihr diesen Trend?

Elliot und James: Um Räume zukunftssicher zu gestalten und unseren Kunden den größtmöglichen Nutzen und eine optimale Personalisierung zu bieten, setzen wir auf flexible Bereiche, die sich nahtlos von Tag zu Nacht verwandeln lassen. Bei vielen unserer Projekte im Hotel- und im Wohnbereich haben wir an funktionalen Lounges gearbeitet, in denen Bewohner und Gäste tagsüber arbeiten und abends bei einem Drink entspannen können. Hochwertige Handwerkskunst und raffiniertes Design machen die Räume sowohl multifunktional als auch einladend – und schaffen Umgebungen, in denen Menschen gerne Zeit verbringen.

Der Hotelsektor ist in einer einzigartigen Position, um den Wandel hin zu Remote- und Hybridarbeit zu unterstützen, indem er die Funktion von Räumen neu denkt. Welche Designelemente sind für hybride Hotels entscheidend?

Elliot und James: Wir sind der Meinung, dass Ergonomie einen hohen Stellenwert hat und dass Arbeitsräume komfortabel und funktional sein sollten. Wir haben gesehen, dass viele Hotels und Wohnprojekte ihre Arbeitsräume modernisieren und mit schallisolierten Besprechungsräumen und sogar mit technikgestützten Podcast-Räumen für Kreative und Medienfachleute ausstatten. Bei der Gestaltung von Arbeitsräumen außerhalb der traditionellen Büroumgebung orientieren wir uns stark an einem gastfreundlichen Design. Diese Räume unterstützen sowohl konzentriertes Arbeiten als auch den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Kollegen. Zu den verspielteren Elementen, die wir hinzugefügt haben, gehören Kaffee- und Getränkebars in den Coworking Lounges, die jeder nutzen kann – von morgendlichen Geschäftstreffen bis hin zu einem abendlichen Aperitif mit Kollegen.

Das hybride Hotelkonzept ist nicht nur für Kurzaufenthalte relevant. Immer mehr Langzeitgäste entscheiden sich für Hotels statt für Serviced Apartments. Was macht hybride Hotels attraktiver?

Elliot und James: Da wir weltweit sowohl an Hotels als auch an Markenresidenzen gearbeitet haben, beobachten wir eine stetig steigende Nachfrage und ein wachsendes Interesse an Annehmlichkeiten und Dienstleistungen in Resort-Qualität. Wir glauben, dass diese Fokussierung auf das Erlebnis den Hospitality-Sektor aufgewertet hat, der oft direkt an die Werte von Kunden und Gästen anknüpft, sei es durch Wellness, die Integration von Gastronomie oder durch die Unterstützung beruflicher Ambitionen mittels Coworking Spaces und Entertainment-Bereichen.

Hybride Hotels verfolgen viele verschiedene Designansätze, aber welche Gemeinschaftsräume sind für diese Konzepte unerlässlich, um die Nutzer wirklich zu überzeugen?

Elliot und James: Gemeinschaft ist ein mächtiges Instrument. Wenn wir an Hotels oder private Members Clubs denken, denken wir an ambitionierte und wertebasierte Gemeinschaften, denen wir uns anschließen und zu denen wir gehören möchten. Bei der Gestaltung von Hotels und Hospitality Spaces planen wir häufig Gemeinschaftsbereiche, die soziale Aktivitäten und Interaktion fördern. Dies entspricht dem wachsenden Trend führender Hotels, alles von Wellness- und Yogakursen bis hin zu exklusiven Weinverkostungen anzubieten. Gemeinschaftsbereiche, die diese hochwertigen Angebote unterstützen, sind wertvoll – nicht nur, weil sie den Gästen unvergessliche Erinnerungen bescheren, sondern auch, weil sie neue Standards in diesem Umfeld setzen.

Nicht nur Hotels haben sich Hybrid Hospitality zu eigen gemacht. Auch Büros entwickeln sich zunehmend zu Gemeinschaftszentren. Wie seht ihr diese Entwicklung am Arbeitsplatz?

Elliot: Wir sehen diese Entwicklung als positive Veränderung und betrachten Büros als Räume, in denen Menschen sinnvolle Beziehungen aubauen, zusammenarbeiten und letztendlich gemeinsam Ziele erreichen, die zwischenmenschliches Vertrauen, Gemeinschaft und Verbundenheit erfordern. Bevor wir mit der Planung und Gestaltung von Büroprojekten beginnen, hören wir unseren Kunden aufmerksam zu und führen umfangreiche Recherchen über das Unternehmen und seine Kultur durch. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist die Arbeit unseres Studios für „Tech Office HQ“ in Los Angeles. Bei der Recherche über das Unternehmen entdeckten wir eine Fußballliga, in der Kollegen nach der Arbeit zusammen spielten. Während sie zuvor in einem örtlichen Park gespielt hatten, konnten wir die untere Etage des Gebäudes in einen maßgeschneiderten und vollständig gebrandeten Fußballplatz verwandeln, auf dem sich die Liga versammeln und weiterentwickeln konnte. Mit dem Aufkommen von Hybridarbeit und Dritten Orten wird diese Gemeinschaft unserer Meinung nach am Arbeitsplatz noch wichtiger. Wenn Designer und Architekten sich die Zeit nehmen, ihre Kunden zu verstehen und auf dem bereits Vorhandenen aufzubauen, schafft dies Raum für Kreativität und Innovation.

Ihr habt kürzlich das No.1 Knightsbridge in London renoviert, ein Projekt, das Umweltethik und Luxus mit hotelähnlichen Annehmlichkeiten verbindet. Welche Designelemente waren bei der Neugestaltung am wichtigsten?

James: Es gab einige Elemente, denen wir bei diesem Projekt besondere Priorität eingeräumt haben. Wie du bereits erwähnt hast, hat unser Studio daran gearbeitet, die CO₂-Effizienz und Nachhaltigkeit durch sorgfältig recherchierte Materialien und FF&E-Design zu verbessern. Das Projekt erhielt später neben den Zertifizierungen „BREEAM Excellent“ und „WELL Gold Ready“ auch die Energieeffizienzklasse A. Des Weiteren wollten wir, dass der Raum mit seinen Annehmlichkeiten im Stil eines Members Clubs ein luxuriöses Ambiente ausstrahlt, um den Ambitionen und dem Lebensstil der heutigen Führungskräfte bestmöglich gerecht zu werden. Die Designarbeit am No.1 Knightsbridge zeichnet sich durch ein hohes Maß an Handwerkskunst mit luxuriösen Materialien und Oberflächen aus. Unser oberstes Designziel war es jedoch, Gemeinschaftsräume zu schaffen, die den Zusammenhalt und die Community fördern. Dies haben wir erreicht, indem wir verschiedene Bereiche im Erdgeschoss entworfen haben, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen, von Geschäftstreffen bis hin zu kleineren Zusammenkünften. Eine von der Gastronomie inspirierte „Wet Bar“ bildet den Mittelpunkt und ist der perfekte Rahmen für von Unternehmen gesponserte Happy Hours und Feiern.

Ihr habt euch für natürliche Materialien und gedeckte Farbtöne für die Innenausstattung entschieden. Was hat diese Entscheidung beeinflusst?

James: Im Rahmen unseres ökologischen Engagements für das Projekt haben wir mit rohen und natürlichen Materialien wie Holz, Marmor und Stein gearbeitet, um ein warmes und einladendes Profil zu schaffen. Da die Gemeinschaftsräume von No.1 Knightsbridge für eine Vielzahl von Unternehmen gedacht sind, wollten wir einen repräsentativen Eingangsbereich schaffen, der den Bedürfnissen der verschiedenen Firmen, die den Büroturm bewohnen, gerecht wird. Außerdem war es wichtig, einen Raum zu designen, in dem das Wohlbefinden durch markante biophile Gestaltungsprinzipien im Innenbereich der Lobby und im großen Atrium im Vordergrund steht.

In Los Angeles habt ihr das Tech Office HQ neu gestaltet. Wie lautete die Vorgabe des Unternehmens? Was musste erhalten bleiben und was konnte verändert werden?

Elliot: Bei dem Projekt ging es um eine adaptive Umnutzung und unser Team hatte die Flexibilität, den Raum neu zu gestalten, um den dynamischen Anforderungen des Technologieunternehmens bestmöglich gerecht zu werden. Der Kunde legte Wert darauf, eine Umgebung zu schaffen, die für die Mitarbeitenden attraktiv ist, einen Raum, in dem Kreativität und Zusammenarbeit im Mittelpunkt stehen. Neben einem Kamin auf der Executive-Etage, der sich für Firmenfeiern eignet, fanden auch verschiedene Elemente aus dem Bereich Gastronomie Eingang in das Design. Obwohl Zusammenarbeit im Vordergrund stand, wurde jede Etage speziell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Teams zugeschnitten. So wurden beispielsweise die Etagen für die Ingenieure für konzentriertes Arbeiten gestaltet, während Teams, die mehr Wert auf Zusammenarbeit legen, verschiedene flexible Räume zur Verfügung stehen, die sich sowohl für große als auch für kleine Präsentationen eignen.

Was war die größte Herausforderung bei der Umsetzung dieses Projekts?

Elliot: Wir konnten die bestehenden Grundrisse überarbeiten, um zwei primäre Nutzerwege zu schaffen: einen für die internen Mitarbeitenden des Unternehmens und einen zweiten Weg, der der Kundenerfahrung gewidmet ist. Diese beiden Wege ermöglichten es unserem Team, den Raum optimal zu nutzen und gleichzeitig die unterschiedlichen Bedürfnisse derjenigen, die die Büroräume besuchen würden, vollständig zu berücksichtigen.

Und schließlich: Wohin führt die Reise von Hybrid Hospitality? Welche Entwicklungen können wir in den nächsten fünf bis sechs Jahren erwarten?

Elliot und James: Die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und miteinander agieren, wird ständig neu gestaltet und verändert. Auch wenn es nicht immer möglich ist, vorherzusagen, wie sich diese Veränderungen auf unsere gebaute Umwelt auswirken werden, gibt es Werkzeuge, die unser Studio nutzt, um widerstandsfähigere Innenräume zu schaffen. Ein Teil des Mehrwerts, den wir unseren Kunden bieten, besteht darin, dass unsere Arbeit sowohl in ästhetischer als auch in funktionaler Hinsicht zeitlos ist. Wie gestalten wir diese Resilienz? Wir glauben an multifunktionale und flexible Räume, bei denen Wohlbefinden und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen und sowohl die standortspezifische Lage als auch die individuelle Anpassung an den Nutzer betont werden. Wir nutzen diese Elemente schon heute, glauben an diese Grundprinzipien und haben bereits festgestellt, dass sie uns erfolgreich in die nächsten fünf Jahre und darüber hinaus begleiten werden.

Das Interview mit MAWD | March and White Design erschien erstmals im Sedus LOOKBOOK N° 03. Hier können Sie sich die ganze Ausgabe des Magazins kostenlos per E-Mail bestellen.

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