Neurodiversität ist kein Spezialthema
Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt neurologischer Ausprägungen – von Aufmerksamkeit und Reizverarbeitung bis hin zu Wahrnehmung und Stressreaktionen. Dazu gehören nicht nur Menschen mit diagnostizierten neurodiversen Profilen, sondern alle, die je nach Tagesform, Aufgabe oder Umfeld unterschiedlich sensibel reagieren.
Im Büro zeigt sich diese Vielfalt besonders deutlich:
Manche Menschen benötigen mehr Stimulation, um konzentriert arbeiten zu können.
Andere reagieren bereits auf geringe Reize mit Überforderung.
Beide Gruppen sind Teil derselben Arbeitswelt – und beide brauchen passende räumliche Bedingungen.
Hypo- und hypersensible Nutzer verstehen

Der Unterschied zwischen hypo- und hypersensiblen Nutzern:
Hypersensible Personen reagieren stark auf visuelle, akustische oder soziale Reize. Für sie sind Schutz, Übersichtlichkeit und reduzierte Stimulation entscheidend.
Hyposensible Personen hingegen benötigen oft stärkere Reize, Bewegung oder visuelle Impulse, um aufmerksam und aktiviert zu bleiben.
Ein Büro, das nur auf eine dieser Gruppen ausgelegt ist, schließt automatisch die andere aus. Inklusive Arbeitswelten entstehen deshalb nicht durch Standardisierung, sondern durch Vielfalt und Wahlmöglichkeiten.
Fokus entsteht durch Kontrolle

Eine zentrale Erkenntnis ist die Bedeutung von Kontrolle über das eigene Umfeld. Konzentration hängt weniger von absoluter Stille ab als davon, ob Menschen Nähe, Distanz und Reize selbst regulieren können.
Räumlich übersetzt bedeutet das:
Unterschiedliche Grade an Abschirmung (offen, halbgeschützt, geschlossen)
Variierende Lichtstimmungen und akustische Qualitäten
Möbel und Raumstrukturen, die Rückenschutz, Orientierung und Geborgenheit bieten
Diese Elemente stabilisieren den sogenannten peripersonalen Raum – den unmittelbaren Bereich um den Körper, der entscheidend für Sicherheit, Präsenz und Aufmerksamkeit ist.
Inklusive Fokus-Settings als räumliches Prinzip
Inklusive Fokus-Settings sind keine Sonderräume, sondern ein System unterschiedlicher Angebote. Sie ermöglichen es Menschen, je nach Sensibilität, Aufgabe und Energielevel den passenden Ort zu wählen.
Dazu gehören:
Ruhige Arbeitsplätze mit reduziertem Reizniveau
Halbgeschützte Nischen für visuelle und akustische Kontrolle
Aktivere Fokuszonen mit mehr Bewegung und sozialer Präsenz
Klare Übergangszonen, die den Wechsel zwischen Zuständen erleichtern
Diese Vielfalt schafft nicht nur bessere Bedingungen für neurodiverse Mitarbeitende, sondern erhöht die Qualität der Arbeitsumgebung für alle.
Vielfalt als Wettbewerbsvorteil

Unternehmen, die neurodiverse Bedürfnisse ernst nehmen, profitieren mehrfach. Inklusive Arbeitsumgebungen fördern:
Konzentration und Produktivität durch passgenaue Settings
Wohlbefinden und mentale Gesundheit durch reduzierte Überforderung
Attraktivität als Arbeitgeber, insbesondere für hochqualifizierte Fachkräfte
Innovation, da unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen unterstützt werden
Neurodiversität wird so vom Randthema zum strategischen Vorteil.
Inklusion beginnt im Raum
Sedus INSIGHTS N° 20 macht deutlich: Zukunftsfähige Büros sind nicht auf eine ideale Nutzergruppe zugeschnitten. Sie sind offene, differenzierte Systeme, die unterschiedliche Sensibilitäten zulassen – und aktiv unterstützen.
Wer heute Arbeitswelten plant, plant nicht nur für Funktionen, sondern für Menschen. Und wer Räume schafft, in denen sich sowohl hypo- als auch hypersensible Nutzer konzentrieren können, gestaltet nicht nur inklusiv – sondern nachhaltig erfolgreich.
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